Mittwoch, 28. März 2012

2012 Seoul Nuclear Security Summit


Bild: Korean Herald
An den letzten beiden Tagen fand in Seoul ein Atomgipfel statt, auf dem über 50 Staats- und Regierungschefs über die Bedrohungen durch Nuklearmaterial diskutiert haben sollen, wobei es inoffiziell wohl auch um die Atomprogramme im Iran und in Nordkorea ging.
Da einige dieser Gipfelteilnehmer gleich bei uns um die „Ecke“ in einem Hotel gewohnt haben, gab es jede Menge Polizisten rund um die Uhr zu sehen. Grad in unserer Gegend standen an jeder Kreuzung oder auch nur Abzweigung aber spätestens aller 100 m Polizei. 

Einsatzwagen und Mannschaftsbusse waren ebenfalls überall auf den Straßen verteilt. Hochhausdächer durften nicht benutzt werden und Hubschrauber waren im Dauereinsatz. 


Das interessanteste aber war, wie hier versucht wurde, dass allgegenwärtige Verkehrschaos in den Griff zu bekommen und die sich selbst am Verkehr erstickende Stadt vorzeigefähig zu machen bzw. dafür zu sorgen das alle Gipfelteilnehmer relativ ungestört zum Meeting kommen. Normale Straßensperren allein hätten es wahrscheinlich nicht getan. Um das Verkehrsaufkommen auf dem einfachsten Wege kurzfristig zu verringern, wurden einfach alle Autofahrer aufgefordert, bei gerader Endzahl am Nummernschild montags nicht mit dem Auto zu fahren und die mit ungerader Endnummer sollten Dienstag ihr Auto daheim lassen. Auch wenn sich nicht komplett alle daran gehalten haben, waren doch viel mehr Autofahrer mit jeweils geraden oder ungeraden Nummern unterwegs und die Straßen bzw. Expressways waren bei weitem leerer als sonst. Heut am Mittwoch nach Gipfelende sieht das schon wieder ganz anders aus - leider.

Freitag, 2. März 2012

Klavierkonzert



Letztes Wochenende war Kultur angesagt, so richtige Kultur, kein Karneval oder Museumsbesuch, nein, wir waren eingeladen zu einem Piano Recital. Die Frau eines Mitarbeiters von Alex ist Pianistin und hat dieses Konzert in der Youngsan Art Hall gegeben. 

Konzentration

Das erste Mal in meinem Leben durfte ich live einem Solo-Pianokonzert lauschen. Wunderschön war es. Ich habe keine Ahnung wie lange man üben muss, um fast 1 ½ Stunden perfekt spielen zu können und das noch, ohne die Noten vor sich zu haben. Es muss wohl sehr sehr lange sein. 

Joo Eun Lee

Nach dem Konzert gab es sogar noch ein Buffet für alle Gäste und Fotos mit der danach sichtlich entspannteren Musikerin durften natürlich auch gemacht werden.

Alex´s Mitarbeiter

Freitag, 10. Februar 2012

Seouler Karneval


Hellau, Alaaf und Uehayo!!! So lautet der Schlachtruf des 1. Seouler Karnevalvereins. Ja, auch hier am anderen Ende der Welt ist man vor den deutschen Jecken nicht sicher. An Karnevalsveranstaltungen scheiden sich ja immer die Geister – entweder man ist mit Leib und Seele dabei oder findet es einfach nur doof. Meinereiner war ja schon immer ein begeisterter Karnevals- oder Faschingspartyfeierer und hat sich natürlich riesig über das Stattfinden einer waschechten Karnevalsparty gefreut. Und diese hier war auch mit allem drum und dran. 

das Prinzenpaar
Es gab ein offizielles Prinzenpaar, eine Büttenrede, einen Hexentanz, ein bisschen Comedy (sogar ein recht lustiges Horst Schlemmer Double), eine tolle Band, bestehend aus den Lehrern der Deutschen Schule – auch wenn musikalisch nicht unbedingt perfekt aber mit extrem viel Spaß dabei und die Stimmung war Bestens. 


Eine Polonaise durfte auch nicht fehlen und jeder, naja fast jeder, ist im Kostüm erschienen sogar die Koreaner. Den meisten ist dieses deutsche Brauchtum ja eher suspekt (Feiern mit Verkleiden... was soll das denn, man kann doch einfach nur so Trinken) aber viele der koreanischen Karnevalisten haben sich echt Mühe gegeben. 


Bleibt noch zu erwähnen, dass auch ich mir natürlich Mühe gegeben habe und mit bei der Nominierung der besten Kostüme auf die Bühne musste. 


Leider war der Applaus dann doch nicht so euphorisch, wie bei den koreanischen Spitzenplätzen. Es gab einen „Amadeus Mozart“ – sehr barock und sehr schrill und es wurde gleich die komplette erste Strophe von „O sole mio“ geträllert – ist zwar nicht von Mozart aber egal! Originalität ist gefragt! Apropos Originalität, der andere koreanische Gewinner – (ein Mann als Bauchtänzerin) hat einen Salto rückwärts aufs Parkett gelegt und ist dabei leider aufs Gesicht gefallen – auch sehr originell, schmerzhaft sicher aber unschlagbar. Damit konnte ich leider nicht punkten und durfte nicht mit einer MCM Tasche sondern mit einem Trostpreis nach Hause gehen. Naja, dabei sein ist alles und ein T-Shirt ist auch toll – fast so toll, wie die Kaffeetasse beim ARD-Morgenmagazin – gibt es das eigentlich noch?


Sonntag, 22. Januar 2012

Gym



Da ich in Korea nicht mehr wie in Japan aufgrund meiner Tätowierung wie eine Kriminelle behandelt werde, darf ich auch wieder ganz offiziell ins Gym gehen. Da körperliche Ertüchtigung in Korea ganz groß geschrieben wird, gibt es jede Menge Fitnessstudios und ich habe gleich eins bei mir auf der anderen Straßenseite gefunden. Es ist typisch koreanisch und niemand vom Personal spricht Englisch. Die erste Stunde für das Erklären der Geräte war zwar gut gemeint aber wenig aufschlussreich dafür aber unterhaltsam. Zum Glück war ich nicht das erste Mal in einem Studio und der Trainer sah ganz passabel aus. So habe ich also brav seinen Worten gelauscht und an den hoffentlich richtigen Stellen genickt. Während meiner Aufwärmphase auf dem Laufband hat er sich sogar meinetwegen hinter den Rechner geklemmt und ein paar Worte im Übersetzungsprogramm auf Englisch ausgekramt und dann ganz stolz präsentiert, wie run, running machine , break, next, push.... sehr süß.


Das Gym ist relativ groß, der Trainingsraum hat schon allein 15! Laufbänder, außerdem haben sie eine Tischtennisplatte, natürlich einen Golfabschlagübungsraum, eine Sauna und einen Jacuzzi. Es gibt Einheitskleidung, die T-Shirts in schickem Grau, für Frauen am Halsabschluss abgesetzt mit rosa und für die Männer in blau und kurze Hosen in dunkelblau. Man braucht nicht mal eigene Socken mitbringen. Nur Schuhe und den Willen zum Trainieren. Da ich meist mittags trainieren gehe, sind fast nur ältere Leute im Studio aber dafür immer die Gleichen. Ein Mann erzählte mir, dass er und seine Frau jeden Tag da sind – beide sind sicher über 70 Jahre alt. 

Einheitskleidung

Auch werden die Duschmöglichkeiten immer ausgiebig genutzt. Geduscht wird üblicherweise sitzenderweise. Frau schnappt sich ein winziges Höckerchen, was übrigens nicht nur das Hinterteil nicht gerade vorteilhaft betont und Faltenlegung stark begünstigt, eigentlich ist die ganze gekrümmte Sitzhaltung sehr unvorteilhaft, wie ich immer beobachten muss, setzt sich damit vor einem in Brusthöhe angebrachten Spiegel und dann wird geseift, geschäumt und geschrubbt und nix wird ausgelassen. Geschrubbt wird meist mit kratzigen harten Peelingtüchern (so ähnlich wie früher diese bunten Seifebeutelchen) damit auch ja kein abgestorbenes Hautschüppchen übrigbleibt. Jeder Hautarzt würde mit erhobenem Zeigefinger dastehen und rufen: „Denk an den natürlichen Säureschutzmantel deiner Haut!“. Auch Zehennägel Schneiden, Zähne putzen und gruselige Gesichtsmasken auftragen ist völlig in Ordnung – Frau fühlt sich wie daheim. Letztens bin ich erst mal kurz erschrocken, als mir eine Frau mit dunkelbrauner Gesichtsmaske und überall am Körper verteilten Saugnäpfen und der Zahnbürste im Mund entgegenkam. Man stelle sich das Szenario in einer gemeinschaftlichen deutschen Dusche vor...

Dienstag, 10. Januar 2012

Tokyo

Kaum zu glauben, aber wenn ich dieses Video sehe, empfinde ich immer noch so etwas wie Heimweh....


Lost in Tokyo from Mark Bramley on Vimeo.

Dienstag, 3. Januar 2012

Weihnachten und Jahreswechsel




Nun ist er also schon wieder vorbei, der langersehnte Jahresurlaub. Schön war er. In diesem Jahr hat es uns nach Cebu (Philippinen) gezogen. 


Da wir im Urlaub immer sehr faul und bequem sind, haben wir nur einmal die Parallelwelt unseres Hotels verlassen. Es macht mir immer wieder ein schlechtes Gewissen zu sehen, wie gut wir es uns in einem Land gehen lassen, in dem Armut und Elend allgegenwärtig sind und es einem selber an absolut nichts fehlt und man wie im Paradies auf Erden lebt.


Trotz allem hatten wir einen wunderschönen Urlaub und haben uns gut erholt. Das Weihnachten war, hat man leider nur daran erkannt, dass die Angestellten Weihnachtsmützen und die Palmen am Pool Weihnachtskugeln und Lichterketten als Schmuck tragen mussten. Aber am Strand lässt es sich nun mal leichter bei sommerlichen Temperaturen vor sich hin dümpeln. 


Am Liebsten wäre ich noch viel viel länger geblieben, denn in Seoul haben uns gleich mal 40 Grad Temperaturunterschied erwartet. Von +30°C und Urlaubsfeeling zu -10°C  ist es doch ein rieeeeesiger Schritt. Heute hat es auch noch geschneit – Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Winter hasse!

Ankunft Seoul - 10°C

Ich wünsche Euch Allen ein wunderschönes, gesundes, ereignisreiches, friedliches, glückliches, liebevolles, erfolgreiches und spannendes Neues Jahr 2012!!! Diesmal ist es das Jahr des Drachen - der ja für Erfolg und Glück stehen soll - also Happy New Year!



Samstag, 10. Dezember 2011

Weihnachtsfeier des Deutschen Clubs Seoul



Wie auch in Deutschland häufen sich zum Jahresende die Weihnachts- und Jahresendfeiern. Letzte Woche konnte ich dank Babysitter an der des Deutschen Clubs Seoul teilnehmen. Die Veranstaltung war ziemlich entspannt und lustig. Selbst der Botschafter lies es sich nicht nehmen dabei zu sein und eine kleine Rede zum Besten zu geben. Zu meiner Freude und Überraschung stand als Geschenk für jede Dame doch tatsächlich ein Chanel-Tütchen auf dem Platzteller und darin gab es Puder, Rouge und Lippenstift. Dafür hatte sich der Abend schon mal gelohnt. 


Die Damen waren teilweise ordentlich aufgerüscht in Abendkleidern und Glitzerfummel aber das gab dem Ganzen etwas Exklusives. Das Durchschnittsalter lag eher im oberen Bereich – bei den Herren noch eher als bei den Damen. Das Essen war sehr gut, wenn man nicht gerade Vegetarier war. Meine Tischnachbarin hatte sich geoutet und statt Weihnachtsente lieber etwas Fleischloses bestellt. Als letzte am Tisch bekam sie dann auch das Essen – wie alle Rotkohl, Klöße und statt der Ente eben eine Handvoll Walnüsse – super Alternative. Zuvor gab es weihnachtliche Chormusik und später als Stimmungsmacher eine Band. Nur leider waren sie etwas zu laut für den kleinen Raum, so laut, dass man nicht mal mehr seinen direkten Tischnachbarn verstanden hat. Nach beherztem Ausstöpseln der Box war aber auch dieses Problem, jedenfalls für unseren Tisch, gelöst. Leider musste ich wieder viel zu früh gehen – Babysitter soll man nicht warten lassen. Aber ich habe wieder viel gelernt an diesem Abend, z.B. das man mit fortgeschrittenem Alter keine tiefausgeschnittenen Kleider mehr tragen sollte, es ist einfach nicht mehr sexy, das Vegetarier zu sein nicht einfach ist und das mir direkt an der Box zu sitzen keinen Spaß mehr macht und laute Musik meinen Ohren weh tut – ich werde wohl alt.